Touristenboom aus aller Welt

Dresden liegt im Trend. Die 800 Jahre alte Schönheit an der Elbe gehört mittlerweile zu den Touristenhochburgen Deutschlands. In der Rangliste der beliebtesten Urlauberziele kam sie im Jahr 2016 bei Besuchern aus dem Ausland glatt auf Platz sechs – als städtisches Ziel war nur das an der Romantischen Straße gelegene mittelalterliche Städtchen Rothenburg ob der Tauber populärer. Die Spitzenplätze gingen ans Miniatur-Wunderland in Hamburg, den Europapark in Rust und Schloss Neuschwanstein in Bayern.

Mehr als 2,2 Millionen Gäste besuchten im vergangenen Jahr die Hauptstadt des Freistaats Sachsen, der insgesamt rund 8,2 Millionen Besucher verbuchte.
Was Dresden so anziehend für Touristen aus den heimischen Landen, aber auch aus Amerika, Japan, China und anderen Ländern macht, ist die Vielfalt an historischen und neuen Attraktionen. Als „deutsches Florenz“ hatte Johann Gottfried Herder dermaleinst die aufgrund ihrer Architektur gerühmte Stadt bezeichnet.
Dem Ruf wird sie auch in punkto Kunst gerecht. Die elf Museen der staatlichen Kunstsammlungen Dresden zählen zu den bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art weltweit. Zu verdanken ist das unter anderem Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen und als August II. außerdem König von Polen. Am bekanntesten ist er unter seinem Spitznamen „August der Starke“. Der Bildersammer machte aus Dresden eine Kunsthochburg, die sich mühelos mit den italienischen Städten messen konnte. Der venezianische Maler Canaletto machte den Anblick der Stadt mit seinem Panoramabild „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“ 1748 unsterblich.
Heute ist das Gemälde mit seinem Blick vom Glockenspielpavillon zwischen dem Japanischen Palais und dem Hotel Bellevue in der Gemäldegalerie Alte Meister zu finden.  Wie durch ein Wunder hatte es den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden und war nach der Beschlagnahmung durch die Rote Armee in den 50er Jahren an die Dresdner zurückgegeben worden.
Die Kriegswunden, die gerade in Dresden verheerende Folgen hatten, und die darauf folgenden Jahrzehnte in der DDR machen heute einen Teil des Reizes der Elbmetropole aus.
Die sächsische Residenz, die schon lange vor dem Bau der legendären Semperoper in die Musikgeschichte eingegangen war und unter anderem enge Bindungen zu Carl Maria von Weber, Richard Wagner und Richard Strauss hatte, wurde in der Nacht des 13. Februar 1945 von einem britischen und amerikanischen Bombenteppich überzogen und in ein gewaltiges Feuermeer verwandelt. Fast die gesamte Innenstadt wurde in Schutt und Asche gelegt.
Doch die Dresdner gaben ihre Stadt nicht verloren. Schon kurz nach Kriegsende begann der Wiederaufbau, und auch neue Gebäude in der Innenstadt wurden architektonisch möglichst harmonisch an die alten Häuser angelehnt. Dazu gehört das siebengeschossige Gebäude des Cafe Prag am Dresdner Altmarkt. Das von 1953 bis 1956 im Stil des sozialistischen Klassizismus mit neobarocken Anklängen errichtete Gebäude erhielt als Hommage an die Bautradition der Stadt eine Sandstein-Putzfassade.
Zu DDR-Zeiten amüsierten sich hier die Dresdner bei Modenschauen, Varietetheater und Konzerten. Bar und Gastronomie waren ebenfalls gut besucht. Nach der Wende erlebte das Cafe Prag diverse Reinkarnationen, ehe es seit 2016 als Standort der Spielbank Dresden erneut zu den größten Attraktionen der Stadt zählt. Dabei haben vor allem die klassischen Casino-Spiele eine lange Tradition auch unter den Künstlern, die Dresden mitgeprägt haben. Opernkomponist Richard Wagner tat sogar seinen letzten Atemzug in einem Casino, wenn auch nicht in Dresden, sondern in Venedig. Außer in der Landeshauptstadt können sich Casinofreunde außerdem in Chemnitz und Leipzig als auch im deutschen Casino online amüsieren. Keine der benachbarten Städte kann es jedoch mit dem Flair von Dresden aufnehmen.
Während das Cafe Prag errichtet wurde, wurde auch an der Rettung der bedeutendsten historischen Bauten der Stadt gearbeitet. Darunter war die in der Bombennacht zerstörte Semperoper. Das war allerdings nicht der erste Verlust des von Gottfried Semper entworfenen Königlichen Hoftheaters, das nach einem Brand 1869 schon zwei Jahre später von Semper im Stil der italienischen Hochrenaissance wieder aufgebaut wurde. Doch die Schäden von 1945 waren so schlimm, dass allein die Fassadensicherung bis 1956 andauerte. Am 40. Jahrestag nach ihrer Zerstörung wurde die originalgetreu wiederaufgebaute Semperoper schließlich 1945 wieder eröffnet, und die Skulpturen Goethes und Schillers neben dem Eingang beeindrucken erneut Theaterbesucher und Passanten.
Noch länger dauerte die Rettung der zum Wahrzeichen der Stadt gewordenen Frauenkirche. Das protestantische Gotteshaus mit seiner riesigen Kuppel hatte zwei Tage lang versucht, dem verheerenden Feuerbrand standzuhalten, ehe die ausgeglühten Pfeiler nachgaben. In der DDR wurde die Ruine zum Mahnmal gegen den Krieg. Nach der Wende richteten sich die Gedanken auf den Wiederaufbau. 2005 war es soweit, und das Gotteshaus, für dessen Restaurierung möglichst viele Originalmaterialien verwendet wurden, wurde erneut geweiht. Kuppelaufstieg und Führungen gehören heutzutage zu den Hauptattraktionen Dresdens.
Das Residenzschloss, das aus einer mehrfach umgebauten Burg im Jahr 1547 zu einem der schönsten Renaissanceschlösser Deutschlands wurde und seinen letzten großen Umbau im Neorenaissance-Stil Ende des 19. Jahrhunderts erlebte, wird seit 1985 wiederaufgebaut. Das Historische und das Neue Grüne Gewölbe - die einstigen Schatzkammern -, das Kupferstich-Kabinett, die Rüstkammer und das Münzkabinett ziehen jedes Jahr zigtausende Besucher an. Dass auch das Schloss fast vollstädnig ausgebrannt war und 1945 nur noch ein Teil des Historischen Grünen Gewölbes sowie die Kellerräume standen, ist heute kaum noch vorstellbar.
Krieg und Sozialismus unbeschadet überstanden hat der Zwinger. Das barocke Gesamtkunstwerk wurde von „August dem Starken“ in Auftrag gegeben. Durch Galerien verbundene Pavillone gruppieren sich um einen rechteckigen Hof mit Wasserspielen. Die Glocken aus Meissner Porzellan im Glockenpavillon spielen Melodien von Vivaldi, Mozart und Bach.
Wie bedeutsam Dresden gerade für die Kunstgeschichte Deutschlands ist, zeigte sich auch nach der Elbflut von 2002. Einsatzkräfte aus der ganzen Bundesrepublik reisten an, um Kunstwerke alter und neuer Meister zu retten.
Doch auch die Natur in und um Dresden ist ein Besuchermagnet. Die Elbe windet sich in sanften Bögen durch die Stadt und vorbei an Weinbergen, Schlössern, Biergärten und Wiesen. Diese für eine europäische Großstadt einzigartige Kombination überzeugte die Unesco, das Dresdner Elbtal 2004 zum Welterbe zu erklären.
Romantische Historie und die schwärzesten Kapitel der deutschen Vergangenheit verbinden sich hier in einer Metropole mit einem mediterran anmutenden Flair, Weltoffenheit und Liebe zur Tradition – eine Mischung, die die Stadt zu weitaus mehr als nur einem Geheimtipp für kulturell und geschichtlich interessierte Touristen gemacht hat.

 

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